Geistliches

 

Was liegt vor mir? Was liegt hinter mir?

 

Es ist eigenartig:
Die Schreiber des Alten Testaments
sehen die Zukunft hinter sich,
die Vergangenheit liegt vor ihnen.
Nach dieser Sicht bewegt sich der Mensch durch die Zeiten wie ein Ruderer,
der sich rückwärts in die Zukunft bewegt;
er erreicht das Ziel, indem er sich orientiert an dem, was sichtbar vor ihm liegt.
Die enthüllte Geschichte bezeugt ihm
den Herrn und Gott der Zukunft.

 

Es ist, wie wenn einer auf Strom oder Fluss rudert.
Hinter seinem Rücken strömt immer wieder neues Wasser.
Vor sich sieht er es fließen.

Er weiß, dass es ihn trägt, ihn und sein Boot.
Er kann weit nach vorne schauen in das,
was wir Vergangenheit nennen, und sagen:
Da schau hin, da hast du mich schon getragen, Gott.
Da schau hin, soviel Wasser, das muss eine unerschöpfliche Quelle sein,
ihr vertraue ich mich an.
So erst wird Erinnerung zur Quelle von Hoffnung.
Das ist kein verbiestertes Festhalten an Vergangenem.
Das ist die heitere Gelassenheit dessen,
der sich tragen lässt vom Fluss, von der Zeit, von der Liebe, von Gott.

 

 

Gerhard Engelsberger

 

 

 


Rold Handke / pixelio.de
Rold Handke / pixelio.de